Schulkonzept

LERNEN, VERANTWORTLICH ZU HANDELN

Selbstverständnis

Wir verstehen unsere Schule als einen Lebens- und Erfahrungsraum in der Verantwortungsgemeinschaft von Kindern und Jugendlichen, ihren Eltern, den pädagogischen Professionellen und den Partnern unserer Schule.
Wir verstehen uns als Schule, die sich den Herausforderungen der AGENDA 21 in besonderer Weise verpflichtet weiß.
Wir heißen darum „AGENDA Schule“. Wir sind ein „Haus des Lernens“, in dem alle willkommen sind („Inclusion“), in dem alle Lernende sind. Viele Kinder aus vielen Kulturen mit Begabungen aller Art (auch lern-, körper-, geistig behinderte Kinder) sollen sich in unserer Schule Zuhause fühlen.

Lernen, Wissen zu erwerben
Lernen, Verantwortung zu übernehmen
Lernen, zusammen zu leben

sind die Fundamente, auf dem unser „Haus des Lernens“ immer weiter aus- und fortlaufend auch umgebaut wird.

Maximen unserer AGENDA-Schule

  • Unser Grundverständnis: Jeder zählt, jede ist einzigartig!
  • Wir wollen alles Leben achten und schützen und Gewalt zurückweisen.
  • Probleme sehen wir als Herausforderung an. Fehler sind Chancen zum Lernen.
  • Verschiedenheit schätzen wir als Bereicherung.
  • Unsere Schule soll ein Ort der interkulturellen Begegnung, der interkulturellen Erfahrungen, des interkulturellen Lernens, des interkulturellen Verstehens, der interkulturellen Achtung sein.
  • Wir gehen achtsam und nachhaltig mit Ressourcen um, vermeiden Müll, sparen Energie.
  • Wir ermutigen zum demokratischen Miteinander und schaffen mit dem Klassenrat und den Vollversammlungen hierfür einen zusätzlichen Rahmen.
  • Eltern sind willkommene Partner in der Schule.
  • Schüler:innen übernehmen Verantwortung in der Schule und im Gemeinwesen im „Projekt: Verantwortung“.
  • Leistungen und besonderes Engagement erfahren Anerkennung und Würdigung. Wir loben bewusst und gerne. Mutkarten spornen an. Am Ende von jedem Halbjahr sprechen wir viele Auszeichnungen aus. Auf einem Fest feiern wir, was an Verantwortung erbracht wurde. Arbeiten, in denen Anstrengungen zu erkennen sind, werden öffentlich präsentiert. Wir stellen vieles gerne aus.
  • Expertinnen und Experten sind uns Partner beim Weiter-Lernen.

TEAMSCHULE – GEMEINSAM STATT EINSAM
WELCHER STERN SOLL UNS LEITEN?

Die Gesamtschule Holsterhausen der Stadt Essen arbeitet nach einem Teammodell, das sich an folgenden Gesichtspunkten orientiert:

  • Die in einem Jahrgang unterrichtenden Lehrer:innen bilden jeweils ein Team. Somit ist das Team als pädagogische Einheit eine kleine Schule in der großen und bildet damit des Zentrum der Bildungs- und Erziehungsarbeit.
  • Jede Klasse wird in der Regel von 2 Klassenlehrer:innen betreut.
  • Die Klassenlehrer:innen sind für die erzieherische und die fachliche Förderung der Schüler:innen der Klasse im besonderen Maße verantwortlich- Sie erteilen nicht nur Fachunterricht, sondern stärken die selbständige Arbeit der Kinder im Rahmen von Klassenratsstunden, SV-Arbeit und Projekten.
  • Jedes Jahrgangsteam wählt einen Teamsprecher, eine Teamsprecherin, der bzw. die das Team in den Dienst-Besprechungen mit der Schulleitung vertritt.
  • Teamsitzungen finden regelmäßig statt.
 

Wir haben uns für das Teammodell entschieden, um eine Organisationsform zu haben, die den pädagogischen Zielvorstellungen unserer Schule entspricht:

  • Kolleg:innen aktiv zu beteiligen und 
  • in schüler:innenorientierten und fächerübergreifenden Projekten zu arbeiten.
 

Unsere bildungspolitischen Leitvorstellungen finden sich in der Denkschrift „Zukunft der Bildung – Schule der Zukunft“ und in den neuen Richtlinien und Lehrplänen.

Unsere Leitsätze:

  • Schule ist ein Lern- und Lebensraum, den alle Beteiligten gestalten.
  • Wir wollen eine Teamschule sein, um einen überschaubaren Lern- und Lebensraum zu bieten, uns in unseren individuellen Fähigkeiten zu ergänzen und langfristige und stabile Beziehungen zu ermöglichen.
  • Die individuellen Unterschiede sehen wir als Chance und Bereicherung zum gemeinsamen Lernen an.
  • Wir wollen unsere Schüler:innen dazu erziehen, eigen- und mitverantwortlich zu lernen und zu handeln.
  • Alle an unserer Schule Beteiligten verpflichten sich, respektvoll miteinander umzugehen.

Gründungskollegium Dezember 1997

DEMOKRATIE LEBEN UND LERNEN

Es ist zwingend erforderlich, dass Jugendliche aus allen Teilen der Welt auf allen für sie relevanten Ebenen aktiv an den Entscheidungsprozessen beteiligt werden.

AGENDA 21, Kapitel 25


„Da gefällt mir das, was ihr hier macht, unheimlich gut, nämlich, dass ihr euch hier regelmäßig öffentlich trefft in Versammlungen und besprecht, wo die Probleme sind, dass ihr die Dinge selber in die Hand nehmt.“

Jochen Dieckmann, Justizminister des Landes NRW bei seinem Besuch am 17. 01. 2002


Kinder und Jugendliche haben viel zu sagen. Deshalb ist bei uns Praxis, dass, wann immer möglich, Kinder und Jugendliche selbst zu Wort kommen. Die wöchentliche Versammlung ist ein Ort des öffentlichen Diskurses vor der Schulgemeinde. Die Versammlung ist das, was in angelsächsischen Schulen assembly heißt und dort ein Kern der Schulkultur ist, der Tagesbeginn, manchmal der Wochenhöhepunkt, ursprünglich Gottesdienst. Die Versammlung ist ein Schritt vom „Ich und meine Klasse“ zum „Wir und unsere Schule“. Ziel ist die Stärkung einer demokratischen Kultur, der Identifikation mit der Schule, der Eigentätigkeit. Das Öffentliche Argumentieren, das Öffentliche Präsentieren, das Öffentliche Gesicht Zeigen kann so früh gelernt werden. 

Einmal im Monat trifft sich jede Jahrgangsstufe – 140 Schüler:innen – in der Aula zur Versammlung.

„Die Versammlung ist ein Ort, wo wir mitbestimmen und unsere Meinung sagen können. Hier werden Projekte vorgestellt und wichtige Themen ans Licht geführt. Versammlung und Klassenrat sind Stunden, wo wir Verantwortung für das, was in der Schule passiert übernehmen, wo wir über Probleme und Verbesserungen sprechen können und bei denen wir für den Ablauf und die Präsentation selbst verantwortlich sind.“

Lara, 13 Jahre

„Die Versammlung beginnt immer mit dem LOB oder Auszeichnungen durch unsere Schulleiterin. Manchmal werden auch Mutkarten vergeben. Dann gibt es noch das Lob „Kinder loben Kinder“ oder „Kinder loben Lehrer“. Als ich einmal moderiert habe, war ich total aufgeregt und hab mir vorher eine Mutkarte geholt. Sie hat geholfen“

Stefan, 12 Jahre

 

 

Zu besonderen Anlässen gibt es außerordentliche Versammlungen:

„Es gab Probleme mit den Toiletten: Verschmutzungen, Mist machen und so. Dann haben wir eine Versammlung einberufen und diskutiert. Es haben sich Kinder für eine Arbeitsgruppe gemeldet. Dort haben wir Regeln erarbeitet. Diese haben wir dann auf einer zweiten Versammlung abgestimmt. Jetzt gibt es den Klorat und es klappt auf den Toiletten.“

Ezgi, 13 Jahre

 

Feste Bestandteile im Konzept „Demokratie leben und lernen“ sind weiterhin der wöchentlich stattfindende Klassenrat (Pdf)“ sowie die regelmäßige Teilnahme an dem Bundeswettbewerb „Jugend debattiert (Pdf)“.

LOB UND ANERKENNUNG

Leistung verdient Anerkennung

Eine Schule, die eine Kultur des Lobs bewusst pflegt, weiß jede Woche – ohne Verkrampfung, ohne Standards zu unterlaufen – hinreichend viel Gutes zu loben. Auf jeden Fall gilt:

Eine Schule, die nicht jede Woche Gutes zu loben weiß, hat eine Woche falsch gelebt!

Kinder wollen lernen, Kinder wollen leisten, Kinder wollen Lob und Anerkennung.

Dieses mit Nachdruck und Deutlichkeit zu fördern, fördert nicht nur die seelische Gesundheit und Anstrengungsbereitschaft, sondern allgemein eine Kultur des Geachtet werden, der Achtsamkeit, der Aufmerksamkeit und wirkt auch den unseligen Streber-Schimpf-Verhinderungs-Parolen entgegen. In einer Schule, in der Kinder öffentlich für besondere fachliche Leistungen, besondere Verantwortungs- und Hilfsbereitschaft, für soziales Engagement ausgezeichnet werden, verlieren Einzelne, die mit „du Streber“ Null-Bock-Stimmung verbreiten, an Gewicht.

Das Gute herausheben ist anspornender als Sanktionen. Dabei Ansprüche setzen, die transparent sind, aber auch die Anstrengung der einzelnen Kinder, die je nach Vermögen im Ergebnis in unterschiedlicher Ausprägung sichtbar wird, sensibel wahrnehmen. Dies sollten wir uns zumuten und ausbauen.

Was ist wichtig?

IMMER DAS GUTE anerkennen und herausheben.

Den Schüler:innen, den Eltern auch, der Öffentlichkeit insgesamt, soll damit gesagt werden: Du zählst hier, du bist wichtig, deine Fähigkeiten brauchen wir, deine Möglichkeiten fördern wir, du bist einzigartig, und die anderen auch.

Das fördert Identifikation mit der Schule. Identifikation mit der Schule fördert das Lernen. Lernen zahlt sich im Leisten aus. Wo sich Menschen mit ihrem Lernort identifizieren, machen sie weniger kaputt. Sie entwickeln Einsatzbereitschaft, worauf alle Gemeinschaften, die Gesellschaft insgesamt, angewiesen sind. Die Auszeichnungen werden in einem Portfolio gesammelt, denn vor allem auch lernschwache Kinder brauchen Zeichen, dass sie etwas können.

Orte und Zeiten des Öffentlichen Lobes an der Gesamtschule Holsterhausen

  • Die monatliche Versammlungen: Die Versammlung beginnt immer mit dem Lob. Die Schulleitung lobt; Kinder loben Mitschüler:innen; Kinder loben Lehrer:innen. Der kleine große Mut im Alltag wird mit Mutkarten belohnt oder bestärkt.
  • Der Tag der Zeugnisausgabe: Besonderes Lob in Form von Auszeichnungsurkunden gibt es auf den Versammlungen am Tage der Zeugnisausgabe. Der „Aufsteiger des Jahres“ erfährt hier gleichwertige öffentliche Anerkennung wie die Jahrgangsbeste.
  • Das Verantwortungsfest. Auf dem Abschlussfest vom Projekt: VERANTWORTUNG wird gezeigte Verantwortung gefeiert, besondere Leistungen werden öffentlich gewürdigt.

VERANTWORTUNG ÜBERNEHMEN

„Tu etwas für dich und andere und lerne dabei!“ – SERVICE-LEARNING

Es gibt wichtige Herausforderungen in der Welt, für die Verantwortung gebraucht wird.
Wir alle müssen Verantwortung übernehmen: für uns selbst, für unsere Mitmenschen,
für unsere Nachbarschaft, für unseren Planeten.

Deshalb haben wir einen Grundsatzbeschluss:

Verantwortung für Kinder – Verantwortung für die Erde

Verantwortung für sich,
Verantwortung für andere,
Verantwortung für die Schule
Verantwortung im Gemeinwesen
Verantwortung in der Welt

zu übernehmen, ist ein zentrales Bildungsziel der AGENDA-Schule Holsterhausen.

In diesem schulprogrammatischen Schwerpunkt arbeiten wir seit langem sehr eng mit dem AGENDA Forum der Stadt Essen zusammen, durch das u.a. auch das Verantwortungsprojekt – ein Herzstück der Schule – als lokales Agendaprojekt zertifiziert wurde.

Mehr dazu: Lernen, Verantwortung zu übernehmen

MENSCHEN MIT BOTSCHAFTEN

Wege entstehen beim Gehen – doch es kommt darauf an, wohin die Wege beim Gehen führen und wer wem auf den Wegen begegnet. Beliebigkeit braucht unsere Welt so wenig wie Beziehungslosigkeit. Eine Gesellschaft, die sich selbst Gehalt und Halt geben will, braucht Orte und Zeiten der Begegnung. Begegnungen, die berühren, die zum Nach-Denken herausfordern, die mit Neuem konfrontieren, Gewohntes in Frage stellen, die aufregend sind und verunsichern, Begegnungen, die damit immer auch Chancen zu neuen Erfahrungen und Erkenntnissen, zum Lernen eröffnen.

Die Begegnung mit Menschen, die für etwas stehen, mit Menschen unterschiedlicher kultureller Herkunft, mit Menschen, die Vorbild sein können, mit Menschen, die als Zeitzeugen ihren Erfahrungsschatz weitergeben sind für die Fähigkeit, sich auf Neues und Kontroverses einzulassen, für das Verstehen und die Verständigung und zur Orientierung in der Welt unersetzbar.

Viele Menschen mit Botschaften waren bei uns. Wenn Menschen mit Botschaften auf den Versammlungen sprechen und mit den jungen Menschen diskutieren, sind das für die Schüler:innen, aber auch für die Lehrer:innen Erfahrungen.
Reale Begegnungen sind für das Verstehen und die Verständigung, sind für das Be-Greifen durch Nichts zu ersetzen.